Schule im 19. Jahrhundert 

 
 
 

Unterrichtsziele

Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit waren Tugenden, die den Kindern in der Schule vor allem beigebracht werden sollten. Mit zum Teil harten Strafen wie Ruten- und Stockschlägen, Handtatzen oder dem Knienlassen auf einem Holzscheit versuchten die Lehrer, ihre Vorstellungen von Disziplin durchzusetzen.
Als Grundvoraussetzung für äußere und innere Disziplin wurde das richtige und vor allem ruhige Sitzen angesehen.
In den Schulvisitationsprotokollen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Lehrer mehr auf das "richtige" Sitzen der Schüler achten sollten. So heißt es im November 1886:

"Die Gewöhnung der Schüler an die richtige Körperhaltung ist aber nicht bloß ein Gebot der Schulgesundheitspflege, sondern zugleich ein wichtiges Disciplinarmittel; denn es ist gewiss, dass ein Kind , welches angehalten wird, auf seine äußere Haltung zu achten, sich auch innerlich zusammennehmen und Akta der Selbstbeherrschung üben muss."

Auch eine Regierungsentschließung aus dem selben Jahr beschäftigt sich mit diesem Thema: Bei der gesundheitsmäßigen Schreibstellung der Kinder sei auf folgendes zu achten:
 

Gute Erziehung bedeutete im 19. Jahrhundert hauptsächlich strenge Erziehung. Die Schüler hatten auf jeden Wink zu gehorchen, mussten die Bewfehle "rasch, sicher und geräuschlos" ausführen.Sie wurden dazu erzogen, sich nach Takt zu bewegen und zu arbeiten. In den Direktiven zu den Schulvisitationen 1885/86 heißt es:

"Alle gemeinsamen Tätigkeiten ..., wie das Aufstehen und Niedersitzen, das Austeilen und Einsammeln der Schreibhefte, das Chorsprechen, das Hinweggehen aus der Schule, die Einübung der Buchstaben im Schönschreibunterricht sind nach bestimmten Zeichen gleichzeitig und im Takte zu vollziehen...".

Ein Hauptziel der Schulerziehung stellte die Erziehung zu Sauberkeit und Reinlichkeit dar. In einem Regierungsbericht vom 18.12.1896 heißt es:

"Gerade bei den Landbewohnern der Oberpfalz ist es notwendig, dass durch ein gutes Beispiel der Sinn für Reinlichkeit und Ordnung geweckt werde...
...Viele Familien verabscheuen die rechte Pflege der leiblichen Reinlichkeit ihrer Kinder. Nicht selten erscheinen die Kinder in zerrissenen und beschmutzten Kleidern, nicht gekämmten Haaren, mit ungewaschenen Köpfen und schmutzigen Händen."
 
 
 

Die Erziehung zur Reinlichkeit fing bei so kleinen Dingen wie dem richtigen Tafelwischen an. Aus dem Jahre 1887 wird berichtet:
"Es ist eine fast allgemein unter den Schulkindern verbreitete Unart, dass sie das Geschriebene von den Schiefertafeln ablösen, in dem sie dieselben anspucken und mit der Hand oder einem Kleidungsstücke abwischen. Um dieser Unart entgegen zu wirken, sind da, wo Schwämmchen nicht zur Verfügung stehen, gelegentlich des Arbeitsunterrichts Wischläppchen herzustellen und an den Schiefertafeln zweckmäßig zu befestigen. Auch ist im Schulzimmer ein Gefäß mit Wasser aufzustellen, worin die Schwämmchen und Abwischlappen anzufeuchten sind."

Neben der Erziehung zum gläubigen Christen und gehorsamen Untertanen sollten den Kindern die nötigsten Grundkenntnisse etwa im Lesen, Rechnen und Schreiben vermittelt werden.
Es wurde großer Wert auf den Praxisbezug der Unterrichtsgegenstände gelegt. Vor allem in der Feiertagsschule, in der die in der Werktagsschule erworbenen Kenntnisse erhalten und nach Möglichkeit erweitert werden sollten, berücksichtigte man bei der Bestimmung des Lehrplanes "die Bedürfnisse des praktischen Lebens".

Ein Ausschnitt aus der Schulstatistik des Jahres 1833 gibt Auskunft über die damals in der Werktagsschule Fronau unterrichteten Fächer. Da heißt es:

"Es besteht hier eine Schule, welche in drey Klaßen abgetheilt ist, jedoch ohne Unterschied des Geschlechts.
Die I. Klaße wird mit Buchstabenkenntniß, Buchstabiren, Zählen und Religion/:Alter der Kinder 6 - 8 Jahre.
Die II. Klaße mit Lesübungen, Schreibübungen. an der Tafel Kopfrechnen, Schriftlesen und Religion/: Alter 8 - 10 Jahre.
Die III., mit Lesübungen, Sprachlehre, Naturlehre und Geschichte, schriftlichen Aufsätzen und Religion beschäftiget /: Alter 10 - 12 Jahre. In der Feyertagsschule werden die Gegenstände der III.Classe wiederholt."

Im Rechenunterricht sollten "einfache, leichte Rechnungsaufgaben aus dem praktischen Leben" geübt werden. Die Schüler sollten "Gewandtheit in der Berechnung praktischer Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben" erlangen.

1886 wurde bestimmt, "dass in jeder geschlossenen Schulabteilung in jedem Jahr wenigstens 3 Lieder neu zu erlernen sind. Bei Einübung der Lieder ist die Violine zu benützen, daher der Lehrer seine Violine stets in gutem Stand zu erhalten hat."

Ein wichtiges Unterrichtsfach war die Beschäftigung im und mit dem Schulgarten. Sowohl theoretisch als auch praktisch wurden die Schüler mit diesem Bereich vertraut gemacht.

Werktags- und Feiertagsschule

Die Werktagsschule musste im 19. Jahrhundert sechs, bzw. sieben Jahre besucht werden, die Feiertagsschule drei Jahre. Ein erfolgreicher Werktagsschulabschluss war Voraussetzung für den Eintritt in die Feiertagsschule. Die Kinder traten im Alter von sechs bis sieben Jahren in die Schule ein.
Die Eltern nahmen es oft mit der Schulpflicht nicht sehr genau, gingen ihnen doch durch deren Einführung kostenlose Arbeitskräfte und außerdem Geld verloren. Bestimmte Kinder, vor allem die aus sehr armen Familien, fehlten daher oft.
Als Entschuldigungsgründe für Schulversäumnisse kann man etwa lesen:
"Musste Vieh führen und wurde deshalb nicht in die Feiertagsschule geschickt", " ... hat Gänse gehütet", "wurde zur Feldarbeit verwendet" oder "mussten ihre gesammelten Schwarzbeeren auf die Station tragen".

Seit Einführung der Schulpflicht in Bayern blieb jedoch nicht jedes Fehlen unbestraft. Es gab einen Schulboten, der bei Nichterscheinen der Kinder bei deren Eltern nachprüfen musste, ob sie wirklich krank seien oder ob dringende andere Gründe für ihr Ausbleiben bestünden. Traf nichts von beidem zu. hatte er die Schüler zum Unterricht zu bringen. Für jeden Gang des Schulboten hatten die Eltern eine Gebühr zu bezahlen,1889 waren das 10 Kreuzer.
 
 

Der Schulsaal

Das Foto zeigt einen Schulsaal, wie er etwa um 1900 in einer kleinen Dorfschule ausgesehen hat: Hinter dem Katheder, dem erhöht stehenden Pult, nahm der Lehrer Platz, um die Fortschritte seiner Schüler zu überwachen. Sein "Tatzenstecken" erwischte manchmal faule oder ungehorsame Schüler. Die Schüler saßen in hölzernen Schulbänken, in die Vertiefungen für die Tintenfässer eingelassen waren. Aus einer großen Flasche verteilte der Lehrer die Tinte, die er ursprünglich sogar aus rostigen Nägeln und Gallen von Eichbäumen selbst herstellen musste.
Die Schüler schrieben mit Kreidegriffeln auf Schiefertafeln. Manchmal wurden sie an die große Wandtafel zitiert, um etwas anzuschreiben. Da meist kein fließendes Wasser im Schulhaus war, stand neben der Tafel ein Waschgeschirr mit Wasserkrug und Schüsseln für den Tafelschwamm. Die Schulutensilien wurden von den Schülern in hölzernen Schulbutten oder ledernen Schulranzen transportiert. Die Butten wurden meist von den Vätern selbst angefertigt. Die bunten Schulwandbilder waren ebenso wie der Globus Lehrmittel, anhand derer den Kindern die Welt erklärt wurde.

Beheizung der Schulräume

Für das Holz zum Beheizen der Schulräume hatte nicht der Lehrer selbst, sondern die Gemeinde zu sorgen.Dies funktionierte aber nicht immer reibungslos. Manchmal wurde zu frisches oder zu wenig Brennholz geliefert.
Aber es gab auch noch weitere Probleme mit dem Heizen. Es befand sich im Schulzimmer ja nur ein einziger Ofen. Die Wärme war deshalb ziemlich unterschiedlich verteilt. In einem Regierungsschreiben ist zu lesen:

"In vielen Schulen der Oberpfalz besteht die Übung, die Schüler während der ganzen Winterszeit auf denselben Plätzen, die ihnen beim Beginn des Schuljahres angewiesen wurden, zu belassen, so dass die Schüler, welche neben dem Ofen zu sitzen kommen, fortwährend der Hitze, andere, welche bei der Türe oder hart an den Fenstern immer der kalten Zugluft ausgesetzt sind." Um diese Mißstände zu beseitigen, empfahl man den Lehrern, "gegebenen Falles einen öfteren Wechsel bei diesen weniger günstigen Plätzen eintreten zu lassen, jedenfalls aber dafür zu sorgen, dass überall, wo die Bänke mehr an den Ofen heranreichen, Ofenschirme angebracht ... werden."