
Unterrichtsziele
Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit
waren Tugenden, die den Kindern in der Schule vor allem beigebracht werden
sollten. Mit zum Teil harten Strafen wie Ruten- und Stockschlägen,
Handtatzen oder dem Knienlassen auf einem Holzscheit versuchten die Lehrer,
ihre Vorstellungen von Disziplin durchzusetzen.
Als Grundvoraussetzung für äußere
und innere Disziplin wurde das richtige und vor allem ruhige Sitzen angesehen.
In den Schulvisitationsprotokollen
wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Lehrer mehr auf das "richtige"
Sitzen der Schüler achten sollten. So heißt es im November 1886:
"Die Gewöhnung der Schüler an die richtige Körperhaltung ist aber nicht bloß ein Gebot der Schulgesundheitspflege, sondern zugleich ein wichtiges Disciplinarmittel; denn es ist gewiss, dass ein Kind , welches angehalten wird, auf seine äußere Haltung zu achten, sich auch innerlich zusammennehmen und Akta der Selbstbeherrschung üben muss."
Auch eine Regierungsentschließung
aus dem selben Jahr beschäftigt sich mit diesem Thema: Bei der gesundheitsmäßigen
Schreibstellung der Kinder sei auf folgendes zu achten:
"Alle gemeinsamen Tätigkeiten ..., wie das Aufstehen und Niedersitzen, das Austeilen und Einsammeln der Schreibhefte, das Chorsprechen, das Hinweggehen aus der Schule, die Einübung der Buchstaben im Schönschreibunterricht sind nach bestimmten Zeichen gleichzeitig und im Takte zu vollziehen...".
Ein Hauptziel der Schulerziehung stellte die Erziehung zu Sauberkeit und Reinlichkeit dar. In einem Regierungsbericht vom 18.12.1896 heißt es:
"Gerade bei den Landbewohnern
der Oberpfalz ist es notwendig, dass durch ein gutes Beispiel der Sinn
für Reinlichkeit und Ordnung geweckt werde...
...Viele Familien
verabscheuen die rechte Pflege der leiblichen Reinlichkeit ihrer Kinder.
Nicht selten erscheinen die Kinder in zerrissenen und beschmutzten Kleidern,
nicht gekämmten Haaren, mit ungewaschenen Köpfen und schmutzigen
Händen."
Die
Erziehung zur Reinlichkeit fing bei so kleinen Dingen wie dem richtigen
Tafelwischen an. Aus dem Jahre 1887 wird berichtet:
"Es ist eine fast
allgemein unter den Schulkindern verbreitete Unart, dass sie das Geschriebene
von den Schiefertafeln ablösen, in dem sie dieselben anspucken und
mit der Hand oder einem Kleidungsstücke abwischen. Um dieser Unart
entgegen zu wirken, sind da, wo Schwämmchen nicht zur Verfügung
stehen, gelegentlich des Arbeitsunterrichts Wischläppchen herzustellen
und an den Schiefertafeln zweckmäßig zu befestigen. Auch ist
im Schulzimmer ein Gefäß mit Wasser aufzustellen, worin die
Schwämmchen und Abwischlappen anzufeuchten sind."
Neben der Erziehung zum gläubigen
Christen und gehorsamen Untertanen sollten den Kindern die nötigsten
Grundkenntnisse etwa im Lesen, Rechnen und Schreiben vermittelt werden.
Es wurde großer Wert auf den Praxisbezug
der Unterrichtsgegenstände gelegt. Vor allem in der Feiertagsschule,
in der die in der Werktagsschule erworbenen Kenntnisse erhalten und nach
Möglichkeit erweitert werden sollten, berücksichtigte man bei
der Bestimmung des Lehrplanes "die Bedürfnisse des praktischen Lebens".
Ein Ausschnitt aus der Schulstatistik des Jahres 1833 gibt Auskunft über die damals in der Werktagsschule Fronau unterrichteten Fächer. Da heißt es:
"Es besteht hier
eine Schule, welche in drey Klaßen abgetheilt ist, jedoch ohne Unterschied
des Geschlechts.
Die I. Klaße
wird mit Buchstabenkenntniß, Buchstabiren, Zählen und Religion/:Alter
der Kinder 6 - 8 Jahre.
Die II. Klaße
mit Lesübungen, Schreibübungen. an der Tafel Kopfrechnen, Schriftlesen
und Religion/: Alter 8 - 10 Jahre.
Die III., mit Lesübungen,
Sprachlehre, Naturlehre und Geschichte, schriftlichen Aufsätzen und
Religion beschäftiget /: Alter 10 - 12 Jahre. In der Feyertagsschule
werden die Gegenstände der III.Classe wiederholt."
Im Rechenunterricht sollten "einfache, leichte Rechnungsaufgaben aus dem praktischen Leben" geübt werden. Die Schüler sollten "Gewandtheit in der Berechnung praktischer Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben" erlangen.
1886 wurde bestimmt, "dass in jeder geschlossenen Schulabteilung in jedem Jahr wenigstens 3 Lieder neu zu erlernen sind. Bei Einübung der Lieder ist die Violine zu benützen, daher der Lehrer seine Violine stets in gutem Stand zu erhalten hat."
Ein wichtiges Unterrichtsfach war die Beschäftigung im und mit dem Schulgarten. Sowohl theoretisch als auch praktisch wurden die Schüler mit diesem Bereich vertraut gemacht.
Werktags- und Feiertagsschule
Die Werktagsschule
musste im 19. Jahrhundert sechs, bzw. sieben Jahre besucht werden, die
Feiertagsschule drei Jahre. Ein erfolgreicher Werktagsschulabschluss war
Voraussetzung für den Eintritt in die Feiertagsschule. Die Kinder
traten im Alter von sechs bis sieben Jahren in die Schule ein.
Die Eltern nahmen
es oft mit der Schulpflicht nicht sehr genau, gingen ihnen doch durch deren
Einführung kostenlose Arbeitskräfte und außerdem Geld verloren.
Bestimmte Kinder, vor allem die aus sehr armen Familien, fehlten daher
oft.
Als Entschuldigungsgründe
für Schulversäumnisse kann man etwa lesen:
"Musste Vieh führen
und wurde deshalb nicht in die Feiertagsschule geschickt", " ... hat Gänse
gehütet", "wurde zur Feldarbeit verwendet" oder "mussten ihre gesammelten
Schwarzbeeren auf die Station tragen".
Seit Einführung
der Schulpflicht in Bayern blieb jedoch nicht jedes Fehlen unbestraft.
Es gab einen Schulboten, der bei Nichterscheinen der Kinder bei deren Eltern
nachprüfen musste, ob sie wirklich krank seien oder ob dringende andere
Gründe für ihr Ausbleiben bestünden. Traf nichts von beidem
zu. hatte er die Schüler zum Unterricht zu bringen. Für jeden
Gang des Schulboten hatten die Eltern eine Gebühr zu bezahlen,1889
waren das 10 Kreuzer.
Der Schulsaal
Das
Foto zeigt einen Schulsaal, wie er etwa um 1900 in einer kleinen Dorfschule
ausgesehen hat: Hinter dem Katheder, dem erhöht stehenden Pult, nahm
der Lehrer Platz, um die Fortschritte seiner Schüler zu überwachen.
Sein "Tatzenstecken" erwischte manchmal faule oder ungehorsame Schüler.
Die Schüler saßen in hölzernen Schulbänken, in die
Vertiefungen für die Tintenfässer eingelassen waren. Aus einer
großen Flasche verteilte der Lehrer die Tinte, die er ursprünglich
sogar aus rostigen Nägeln und Gallen von Eichbäumen selbst herstellen
musste.
Die Schüler schrieben mit Kreidegriffeln
auf Schiefertafeln. Manchmal wurden sie an die große Wandtafel zitiert,
um etwas anzuschreiben. Da meist kein fließendes Wasser im Schulhaus
war, stand neben der Tafel ein Waschgeschirr mit Wasserkrug und Schüsseln
für den Tafelschwamm. Die Schulutensilien wurden von den Schülern
in hölzernen Schulbutten oder ledernen Schulranzen transportiert.
Die Butten wurden meist von den Vätern selbst angefertigt. Die bunten
Schulwandbilder waren ebenso wie der Globus Lehrmittel, anhand derer den
Kindern die Welt erklärt wurde.

Beheizung der Schulräume
Für das Holz zum Beheizen der Schulräume
hatte nicht der Lehrer selbst, sondern die Gemeinde zu sorgen.Dies funktionierte
aber nicht immer reibungslos. Manchmal wurde zu frisches oder zu wenig
Brennholz geliefert.
Aber es gab auch noch weitere Probleme
mit dem Heizen. Es befand sich im Schulzimmer ja nur ein einziger Ofen.
Die Wärme war deshalb ziemlich unterschiedlich verteilt. In einem
Regierungsschreiben ist zu lesen:
"In vielen Schulen der Oberpfalz besteht die Übung, die Schüler während der ganzen Winterszeit auf denselben Plätzen, die ihnen beim Beginn des Schuljahres angewiesen wurden, zu belassen, so dass die Schüler, welche neben dem Ofen zu sitzen kommen, fortwährend der Hitze, andere, welche bei der Türe oder hart an den Fenstern immer der kalten Zugluft ausgesetzt sind." Um diese Mißstände zu beseitigen, empfahl man den Lehrern, "gegebenen Falles einen öfteren Wechsel bei diesen weniger günstigen Plätzen eintreten zu lassen, jedenfalls aber dafür zu sorgen, dass überall, wo die Bänke mehr an den Ofen heranreichen, Ofenschirme angebracht ... werden."

