(Gedicht von Samuel Friedrich Sauter, 1766 - 1845)
Willst wissen, du, mein lieber Christ,
wer das geplagteste Männchen
ist?
Die Antwort lautet allgemein:
Ein armes Dorfschulmeisterlein.
Bei einem kargen Stückchen
Brot,
umringt von Sorgen, Müh und
Not,
soll es dem Staate nützlich
sein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Noch eh der Hahn den Tag begrüßt,
und alles noch der Ruh genießt,
hängt's schon am Morgenglöckelein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Geendigt hat die Uhr den Lauf,
es zieht dieselbe wieder auf,
wälzt kräftig an dem
Treibestein,
das schwache Dorfschulmeisterlein.
Von diesem Frühgeschäfte
matt,
was wunder, wenn es Grimmen hat.
Drum schluckt's ein Tröpfchen
Branntewein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Der Tag steht nun in hellem Licht.
Das Weibchen hat auch angericht'.
Nun schlingt's die Morgensuppe
ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Jetzt erst beginnt die größte
Plag':
Sein Ämtchen sperrt den ganzen
Tag
zu Kindern in die Schul' hinein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Hier ist es nun, das eine brummt,
das andere lacht, das dritte summt
mutwillig in das Ohr hinein
dem armen Dorfschulmeisterlein.
Wenn's liebevoll den Kindern wehrt,
und keines die Ermahnung hört,
so schlägt es öfters
hitzig drein,
das gähe Dorfschulmeisterlein.
Ein Kind zeigt dies dem Vater an,
und der, ein ungeschliffner Mann,
macht ihm die größten
Flegelei'n,
dem armen Dorfschulmeisterlein.
So wird die Speise ihm vergällt,
die es auf den Mittag erhält.
Nie darf sich's eines bessern freun,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Was ist denn wohl mit Männchens
Kost?
Nur leer Gemüs' und saurer
Most.
Höchst selten Fleisch von
einem Schwein.
O armes Dorschulmeisterlein!
So es mittags nicht Schule hält,
geht's mit der Haue in das Feld,
und schafft, weil der Gehalt so
klein.
O armes Dorfschulmeisterlein!
Nachts macht sich's, wenn es Hunger
hat,
mit Suppe und Kartoffeln satt.
Sonst gibt es nichts? Ach, leider,
nein.
O armes Dorfschulmeisterlein!
Von Sorgen wird es aufgeschreckt,
wenn alles noch in Federn steckt,
und voller Kummer schläft
es ein,
o armes Dorfschulmeisterlein!
In diesem Zirkel dreht es sich
die ganze Woch' bedauerlich.
Kein Tag ist ohne Kreuz und Pein.
O armes Dorfschulmeisterlein!
Valliret oft die Kirchenuhr,
verfehlt sich oft der Zeiger nur,
da schimpft der Schulz und die
Gemein'
auf's arme Dorfschulmeisterlein.
Anfänglich nahm man gern vorlieb,
wenn es den Unterricht betrieb.
Jetzt sollt's ein halb Gelehrter
sein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Befindet sich's bei einem Schmaus,
so heißt's, wenns kaum zur
Tür hinaus:
"Es ißt, es trinkt, es stinkt
auch ein,
das grobe Dorfschulmeisterlein."
Hat's einmal ein Stückchen
Geld,
und kommt es müd und matt
vom Feld,
trinkt's auch beim Wirt ein Gläschen
Wein,
das durst'ge Dorfschulmeisterlein.
Wenn nun allda der Fall geschieht,
dass es wie Noah sich versieht,
so will es ihm kein Mensch verzeih'n,
dem guten Dorfschulmeisterlein.
Bei Leichen und im Gotteshaus
brüllt oft ein Dummkopf nebennaus.
Ach Gott, wie muß es da nicht
schrei'n?
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Wenn's mit den Kindern sich nicht
hält
zur Zeit, wo ein Präsentchen
fällt,
da büßt es leider merklich
ein.
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Oft macht's der Pfarrer ihm zu bunt
und läßt ihm keine Ruhestund'
was will's, es muß gehorsam
sein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Doch ist ihm noch der Trost beschert,
daß seine Not nicht ewig
währt.
Im Grabe, Gott, wie wohl wird's
sein,
dem armen Dorfschulmeisterlein.
Lied vom armen Dorfschulmeisterlein (Ende des 19. Jh.)
Es liegt ein Dorf im Schwabenland,
Schwabenland,
da lebt, uns allen wohlbekannt,wohlbekannt,
da wohnt in einem Häuslein
klein das arme Dorfschulmeisterlein.
Da wohnt in einem Häuschen
klein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Am Sonntag ist es Organist, Organist.
Am Montag gräbt es Hühnermist,
Hühnermist.
Am Dienstag füttert es die
Schwein', das arme Dorfschulmeisterlein.
Am Dienstag füttert es die
Schwein', das arme Dorfschulmeisterlein.
Am Mittwoch sollt' es Schule halten,
Schule halten.
Muß es der Alten Holz verspalten,
Holz verspalten.
Es spaltet's groß, es spaltet's
klein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Es spaltet's groß, es spaltet's
klein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Des Donnerstags geht's in die Schul,
in die Schul
und legt die Buben übern Stuhl,
übern Stuhl.
Nach ein, zwei Stunden schläft
es ein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Nach ein, zwei Stunden schläft
es ein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Des Samstags fährt es in die
Stadt, in die Stadt
und kauft, was es zu kaufen hat,
kaufen hat.
N'en halben Hering kauft es ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
N'en halben Hering kauft es ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.