Johann Georg B. , Schullehrer
1847 - 1918
Aus dem Leben eines oberpfälzischen Volksschullehrers
im 19.Jahrhundert
Der Lehrer Johann Georg B. ist mein Ururgroßvater. In mühevoller und zeitraubender Sucharbeit in verschiedenen Archiven hat mein Vater, Alfred Hetterich, seinen gesamten Lebenslauf erforscht.
Johann Georg B. wurde am 15.7.1847 in Schwarzenfeld
(Oberpfalz) als Sohn eines Maurers geboren. Er wuchs in sehr bescheidenen
Verhältnissen auf.
Er besuchte das Lehrerseminar in Eichstätt.
Seine Eltern hatten nur wenig Geld, sodass er sich das Essen von
verschiedenen Leuten zusammenbetteln musste. 1865 trat er aus dem
Lehrerseminar aus und absolvierte 1869 seine Anstellungsprüfung. Im
Laufe seines Lehrerlebens hatte er zahlreiche Dienstorte
in den verschiedensten und entlegensten Winkeln der Oberpfalz.
Vom 23.9.1865 bis zum 20.3.1867 war er als Schulgehilfe
an der Schule Thalmassing tätig. Er wohnte
mit im Schulhaus. Das Gehilfenzimmer war zu klein um einen Ofen aufzustellen,
außerdem war der Raum moderig und feucht. Da er vom Schullehrer nicht
verköstigt wurde, war er gezwungen, im Gasthaus zu essen. Seinen Berichten
zufolge reichte daher sein bescheidener Lohn nur
für das Essen und Trinken. Für neue
Kleidung blieb kein Geld übrig.
Nach längerer Krankheit bewarb er sich immer
wieder um eine neue Stelle.
Am 19.März 1867 wurde er zum Schulverweser
der Schule in Kirchroth ernannt. Er wurde
schon am 29. September 1867 wieder von Kirchroth abberufen.
B. erkrankte und ging zurück nach Schwarzenfeld.
Wiederholt bewarb er sich um eine neue Schul-
gehilfenstelle.
Am 5. Dezember 1867 trat er die Schulgehilfenstelle
in
Oberzell an.Gut zwei Jahre blieb er an dieser
Schule, bis er zum 1. Januar 1870 an die Schule in Tauernfeld
im Bezirksamt Neumarkt abberufen wurde. Diese Schulstelle war eine ständige
Schulverweserstelle.
Zum 1. Mai 1871 wurde er "wirklicher Schullehrer" und bekam den katholischen Schul- und Kirchendienst zu Waldau, kgl. Bezirksamt Vohenstrauß verliehen. Das Einkommen dieses Dienstes betrug 350 Gulden. Seine Mutter (Witwe) zog zu ihm. am 2. September 1873 stellte er ein Versetzungsgesuch.
Zum 1. Oktober 1873 wurde er als Schullehrer, Kantor,
Organist und Mesner nach Ottengrün, kgl.
Bezirksamt Tirschenreuth versetzt. Das Jahreseinkommen dieses Dienstes
betrug 400 Gulden. Die Schule und die Lehrerwohnung waren im Pfarrhaus
untergebracht, in dem auch der Expositus mit seiner Haushälterin (seine
Schwester) wohnte. Die Schule lag zusammen mit der Wallfahrtskirche ("Kleine
Kappel"), dem Friedhof und ein paar Häusern auf einer kleinen Anhöhe
außerhalb des Dorfes Ottengrün.
Johann Georg B. lernte in Ottengrün die Näherin
Rosina
Z. kennen, seine zukünftige Ehefrau,die zusammen mit ihrer Mutter
und ihrer Schwester in einem kleinen Häuschen in der Nähe der
Schule wohnte. Die Schul- und Wohnverhältnisse
in
Ottengrün waren erbärmlich. Immer wieder gab es Streit mit dem
Herrn Expositus, worauf B. schließlich seinen Mesnerdienst nicht
mehr ausübte. Wiederholt bat B. um Versetzung.
Am 22. Mai 1876 bittet B. bei der kgl. Regierung der
Oberpfalz und von Regensburg um die dienstliche Verehelichungsbewilligung.
Es
kommt aber noch nicht zur Eheschließung.
Zum 1. November 1877 wurde er an die Schule in Daberg, in der Nähe von Furth im Wald versetzt. Das Schulhaus dort war ein altes Holzhaus in sehr schlechtem Zustand.
Am 25. Juni 1879 heiratete er in Furth im Wald seine
langjährige Verlobte, Rosina Z., Ökonomiepächterstochter
aus Ottengrün, mit der er schon zwei Kinder hatte.
Da es in Daberg keine Kirche gab, hatte B. keine Nebeneinnahmen
als Mesner, Organist oder Kantor und musste mit dem Mindestgehalt auskommen.
Er bat daher die kgl. Regierung der Oberpfalz um Gewährung
einer Gratifikation, hatte jedoch keinen Erfolg damit.
In Daberg wurden ihm zwei weitere Kinder geboren.

Zum 16. Oktober 1881 wurde ihm der Schul- und Kirchendienst
zu Eichlberg, kgl. Bezirksamt Parsberg übertragen.
Das Einkommen dieses Dienstes betrug 810 Mark. Die schulischen Verhältnisse
waren wiederum recht schlecht. Das Klassenzimmer war übervoll. Insgesamt
hatte B. hier 112 Schüler in mehreren Abteilungen zu unterrichten.
Er bekam dafür keine Entschädigung.
Seine Frau Rosina bekam in Eichlberg zwei weitere
Kinder. Sie starb am 3. März 1883 bei der Geburt ihres 6. Kindes.
Um die Arzt-, Apotheken- und Beerdigungskosten bestreiten zu können,
mußte B. mit seinen 6 unmündigen Kindern "in wahrer Bedürftigkeit"
leben.
Am 10. August 1885 heiratete B. in Regensburg die Müllerstochter
Anna L., geb. am 18.10. 1855 in Rothmühle. Diese schenkte ihm in Eichlberg
3 Kinder. Eines davon starb aber gleich nach der Geburt. Im Jahre 1888
starben auch die anderen beiden Kinder, im Alter von 3 1/2 Jahren und
2 1/2 Monaten.
Zum 26. Januar 1889 wurde B. an die Schule Oberlind
bei Vohenstrauß versetzt.
1889 bis 1900 bekam seine Gattin Anna weitere 6 Kinder,
von denen aber wieder 2 schon früh verstarben. Georg B.'s Gesundheitszustand
verschlechterte sich mehr und mehr.
Aufgrund seiner Erkrankung wurde er am 26. Januar
1898 in den zeitweisen Ruhestand versetzt. Am 1.März 1901 wurde er
endgültig pensioniert.
Er wohnte seit dieser Zeit in Vohenstrauß.
Johann Georg B. verstarb am 16. November 1918 beim
Kalvarienkirchlein zwischen Oberlind und Vohenstrauß. Er war
gerade auf dem Rückweg von einer Beerdigung in Oberlind, wo er immer
noch im Kirchenchor sang. Begraben wurde er in Vohenstrauß.
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